NIEPOORT — DOURO-TAL, PORTUGAL

Portugal – vielleicht eines der spannendsten Weinländer der Welt – darf man wohl als einen schlafenden Weinriesen bezeichnen. Obwohl das Land über eine lange Historie im Weinbau verfügt, ist das Wissen über portugiesische Weine und deren Bekanntheit im Kreis der Weinliebhaber bisher eher bescheiden. Einer der Gründe, warum sich unser Wine & Bar Team auf eine Entdeckungsreise nach Portugal begeben hat.

Start der Exkursion war die schöne Stadt Porto, die am Fluss Douro liegt. Der Douro ist zugleich Namensgeber für eines der wichtigsten Weinanbaugebiete Portugals. Die Stadt Porto gilt als die Wiege des Portweins, sicher einer der bekanntesten Exportschlager Portugals, und bildet bis heute das Zentrum für den weltweiten Handel mit Portwein. Die Weinberge und Quintas (Weingüter), auf denen die Portweine produziert werden, liegen 2 Autostunden entfernt von Porto. Sie liegen malerisch am Flusslauf des Douros und zählen heute zum Unesco-Weltkulturerbe. Wir besuchen die Quinta de Napoles, hier arbeiten in 5. und 6. Generation die Mitglieder der Familie Niepoort zusammen an ihrer Vision vom portugiesischen Weinbau. Mastermind Dirk Niepoort und seine Söhne Daniel und Marco sind die Köpfe, die dieses Projekt stetig vorantreiben.

Neben der traditionellen Herstellung von Portwein und Qualitätswein am Douro, verfolgt man viele weitere spannende Weinprojekte in anderen Teilen des Landes. Ein jüngeres Projekt sind die NatCool-Weine. „Nat Cool“ steht für eine Weinkategorie, die auf natürliche, frische und unkomplizierte Weine mit minimalen Eingriffen in den Weinberg und Keller setzt. Dirk Niepoorts Vision dabei ist es, eine ganze Bewegung von europäischen Winzern zu schaffen, die unter der Marke NatCool gebietstypische Weine mit Vitalität und Trinkfreude schaffen, ohne sich dabei an feste Regeln oder Konventionen halten zu müssen.

Die Hauptarten von Portwein heißen Tawny und Ruby, für beide ist der Start ins Weinleben genau gleich. Zumindest bei Niepoort wird ausschließlich gesundes, hochreifes Traubengut aus teils über hundert Jahre alten Weinbergen verarbeitet – und zwar in sogenannten Lagares, großen Bottichen aus Granit. Dort werden die Trauben sorgfältig mit den Füßen gestampft.

Die Gärung beginnt, und nach ungefähr 3 Tagen hat der Traubenmost die gewünschten Zucker- und Alkoholwerte erreicht – dann ist Schluss mit der Fermentationsparty, denn der Most wird mit reinem 77-prozentigem Brandwein versetzt. Das killt die Hefen und stoppt so die Gärung. Der junge Portwein wird anschließend in bis zu 25.000 Liter fassende Holzfässer gefüllt, wo er bis zum nächsten Frühling bleibt. Dann geht es (früher per Schiff, heute per Truck) nach Vila Nova de Gaia, wo sich in den historischen Hallen von Niepoort der Weg der Portweine in zwei Richtungen teilt.

In einer Richtung sind es die RUBY PORTS, die nach einer Zeit von 2 bis 6 Jahren im großen Holzfass in die Flasche gefüllt werden, um dort langsam zu reifen. Dabei bleibt ihre Frische und Fruchtigkeit erhalten. Zu den Rubys zählt zum Beispiel der 2019 LBV – Lated Bottled Vintage (66726), er verbindet kraftvolle Portweine eines einzigen Jahrgangs mit einem runden, gereiften Charakter, der ihn – im Gegensatz zum klassischen Vintage Port – schon jung genießbar macht.

Die andere Richtung sind die TAWNY PORTS. Bei Tawny Ports steht die Altersangabe nicht für die exakte Fassreife, sondern für den Stil und die aromatische Komplexität, die ein Verschnitt verschiedener Jahrgänge über viele Jahre hinweg entwickelt. Der Einstieg ist der klassische Tawny (66717) von Niepoort, er ist ein sofort trinkreifer, elegant oxidativ gereifter Portwein mit feinen Nuss- und Trockenfruchtnoten, der durch Lagerung in kleinen Holzfässern an Komplexität gewinnt.

Beseelt von so vielen Informationen und Genuss lassen wir uns durch die Gassen der Altstadt treiben und trinken zum Abschied noch einen Port-Tonic, eine der schönsten Entdeckungen unserer Reise an den Douro.

Colheita Ports sind Tawny Ports aus einem einzigen Jahrgang, die mindestens 7 Jahre lang im Holzfass gereift sind.

Eine ziegelrote Farbe mit mittlerer Tiefe und einem hellorangen Rand.

Durch die Reifung in sehr alten Weinfässern werden leicht rauchig-vanillige Aromen sowie Anklänge von Marmelade, Rosinen und getrockneten Aprikosen an den Port abgegeben. Mittlerer Körper; am Gaumen ein weicher und anhaltender Nachgeschmack.

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