Mats Skowradzius: Bio-Käse, Camembert de Normandie & der „Cheese of Truth“

Ein Portrait von unserem Käse-Mats und sein Alltag im Ein- und Verkauf von Käse sowie Seminaren, Qualitätskontrollen neuer Ware und ständig spannende Käse-Verkostungen.

Käse ist für ihn Genuss, nicht Alltag

„Für viele ist Käse ein alltägliches Lebensmittel“, sagt Mathias Skowradzius – und macht eine nachdenkliche Pause. „Für mich nicht. Für mich ist das ein Genussmittel.“ Bei BOS FOOD nennen wir ihn alle nur Käse-Mats – ein Spitzname, der sich von Anfang an selbstverständlich anfühlte.

Auf dem Tisch vor ihm liegt eine schwarze Chicago-Bears-Cap, getragen und vertraut wie ein alter Freund. 1986 fing er an, American Football zu spielen – lange bevor die NFL in Deutschland Mainstream wurde. Wer so früh dabei war, bleibt dabei. Das gilt für den Sport, und ganz genauso für den Käse.

Wie ein Zufall zur Berufung wurde

Den lernte er 1991 durch puren Zufall kennen. Er suchte einen Lagerjob, fand eine Stellenanzeige
in der Zeitung und landete bei einem Bio-Käse-Großhändler in Dinslaken. Im Einstellungsgespräch sollte er Käsesorten aufzählen. „Gouda, Butterkäse und Co.“, erinnert er sich mit einem Schmunzeln.
Den Job bekam er trotzdem. Und mit ihm eine Leidenschaft fürs Leben. Mit null Käsewissen fraß er sich durch Bücher, besuchte Seminare, reiste zu Käsereien. Ein dreitägiges Seminar in Düsseldorf veränderte schließlich alles. „Ich war danach Feuer und Flamme“, sagt er. „Das hat mich wirklich gepusht.“
Was als Lagerjob begann, wurde zur Berufung.

Zwischen Pétanque und perfektem Camembert

Mats spielte 1983 in Paris zum ersten Mal Pétanque – auf einem dieser staubigen, schattigen Plätze, mit Blick auf den Eifelturm. Seitdem sind die schweren, von der Zeit gezeichneten Metallkugeln und das kleine pinke Schweinchen – die Zielkugel – feste Begleiter. Es geht um Ruhe, Präzision und den geselligen Moment. Beim Spiel gönnt er sich Käse – und da kommt nur einer in Frage: der Camembert de Normandie, au lait cru von Saint Hilaire, seit dreißig Jahren sein Lieblingskäse, entdeckt in der Normandie. „Ich esse Käse gerne pur“, sagt er. „Ich will Reifezeit, Handwerk und Milchqualität rausschmecken.“
„Ich versuche nie, jemanden von Rohmilch zu überzeugen“, sagt er. „Aber ich zeige gerne, was wir stattdessen Passendes im Sortiment haben.“

Genuss braucht Zeit und die richtigen Werkzeuge

Genuss ist bei Mats eine bewusste Entscheidung. Mit mehr Zeit gönnt er sich eine Zigarre,
ganz bei sich. Für die kleinen Momente zwischendurch reicht auch eine Zigarette. „Ein Feuerzeug brauche ich immer“, sagt er. „Aber bitte mit Stil.“
Und dann ist da noch der Käsestecher – ein Werkzeug, das Geduld und Erfahrung verlangt: mit dem Reifemeister tief in den Käse horchen, spüren, was er noch werden kann.

Vom Seminarleiter zum Käseexperten bei BOS FOOD

2008 machte er sich selbstständig – Käseseminare in ganz Deutschland. „Im ersten Jahr gleich schwarze Zahlen“, sagt er. „Ich habe gemerkt: dafür brenne ich.“ Dann kam Corona. Dann Stille.
Und schließlich der entscheidende Anruf: BOS FOOD sucht einen Käseexperten. Seit Oktober 2023 ist er bei uns. „Die haben mich alten Mann so süß aufgenommen“, sagt er. „Ich fühlte mich von Tag eins willkommen.“ Zusammen mit Kathi hat er das Sortiment von Grund auf neu aufgebaut – heute über 200 Sorten. Und es wächst weiter.

Ein klares Nein zum Aufhören – und ein Ja zum Genuss

Wird er irgendwann mit Genuss aufhören?
„Nej!“ antwortet der „Cheese of Truth“ auf seinem Schreibtisch. Finden wir gut und beglückwünschen ihn zu dieser Entscheidung!
Wer Fragen hat – zu Reifegrad, Rohmilch oder der Auswahl für den Käsewagen – der ruft Mats an. Und wer noch tiefer in seine Welt eintauchen möchte: Mats war zu Gast in unserem BOS FOOD Podcast. Hört doch mal rein!