
Das Team der Wine & Bar ist wieder in Sachen Wein unterwegs gewesen. Nach einem wahren Verkostungsmarathon auf der Mainzer Weinbörse, geht es mit vielen neuen Eindrücken weiter in die Pfalz, um die frisch gewonnenen Erkenntnisse direkt an der Basis, beim Winzer selbst, zu vertiefen.
Beim Weingut Kranz in Ilbesheim werden wir von Kerstin Kranz in der neuen Vinothek des Weinguts begrüßt. Es ist Ende April und wir erwischen die Winzer mitten im Winzeralltag. Boris Kranz ist im Wingert mit einem Mitarbeiter dabei, neue Reben zu setzen, Sohn Xaver bereitet im Keller die Füllung vor, die für die kommende Woche geplant ist, und Kerstin koordiniert am Telefon mit einer Spedition die Abholungen von Weinpaletten, die ein Kunde in Übersee geordert hat.
Wir bekommen parallel von ihr den ersten Sekt zum Verkosten ins Glas geschenkt, ein Blanc de Noirs, Brut Nature, der mit seiner eleganten Perlage und feinen Cremigkeit zu begeistern weiß. Auf die Produktion von hochwertigem Winzersekt legt die Familie einen besonderen Fokus. Aktuell werden 5000 Flaschen Sekt pro Jahr gefüllt. Zu erwähnen ist, dass alle dafür nötigen Arbeitsschritte im Weingut selbst erfolgen.
Wer heute auf den Hof des Familienbetriebs fährt, begegnet keinem traditionsverliebten Denkmal, sondern einem Weingut, das seine Vergangenheit kennt und gleichzeitig konsequent nach vorne blickt.
Die Geschichte begann 1948 vergleichsweise bescheiden. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten Hilda und Willi Dennhart gemeinsam mit ihrer Tochter Ella und deren Ehemann Hugo Leiner einen Fassweinbetrieb. Wein wurde damals produziert und verkauft, wie es in vielen Dörfern der Pfalz üblich war: bodenständig, regional und ohne große Ambitionen auf nationale Aufmerksamkeit.
Heute prägt vor allem ein Name das Weingut: Boris Kranz. Wer in der Pfälzer Weinszene unterwegs ist, kommt an ihm kaum vorbei. Bereits in jungen Jahren übernahm er Verantwortung im Keller und entwickelte eine klare Vorstellung davon, wie seine Weine schmecken sollten. Präzise statt opulent, elegant statt laut. Während andere auf Kraft setzten, suchte Kranz nach Finesse und Herkunftsausdruck. Sein Fokus lag auf Riesling, Weißburgunder und Spätburgunder — Rebsorten, die auf den kalkreichen Böden rund um Ilbesheim besonders charaktervolle Ergebnisse liefern.

Entscheidend für den Erfolg war dabei die Kleine Kalmit. Der nur 272 Meter hohe Hügel wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Doch unter seiner Oberfläche verbirgt sich ein geologischer Schatz. Kalkstein, Löss, Mergel und Lehmböden schaffen ein außergewöhnliches Terroir. Die Weine gewinnen hier jene mineralische Spannung und Klarheit, für die das Weingut heute bekannt ist. In der Region spricht man nicht ohne Stolz von einem der spannendsten Herkunftsgebiete der Südpfalz. 2010 wurde die Kalmit sogar als eigenständige Einzellage in die Lagenrolle aufgenommen.
Wir fahren mit Kerstin in diese Weinberge und man merkt schnell, dass der Begriff „Terroir“ hier keine Marketingfloskel ist. Zwischen den Rebstöcken knirscht kalkhaltiger Boden unter den Schuhen. Es ist einer dieser Orte, an denen man schnell versteht, warum Winzer so oft von Herkunft sprechen. Hier, am südlichen Rand der Pfalz, beginnt die Geschichte des Weinguts Kranz. Kerstin spricht über die Wasserspeicherfähigkeit von Löss, über die Kühle kalkhaltiger Schichten und über die Eigenarten einzelner Parzellen. Jeder Weinberg wird individuell betrachtet, jede Entscheidung im Jahresverlauf neu getroffen. Die Philosophie dahinter ist einfach: Nur was die Natur hervorbringt, kann später im Keller bewahrt werden.
Dabei setzt das Weingut konsequent auf ökologischen Weinbau. Die Böden sollen leben, Begrünungen zwischen den Zeilen fördern die Biodiversität, und die Reben werden so gepflegt, dass sie möglichst gesund und widerstandsfähig bleiben. Der Gedanke dahinter ist nicht ideologisch, sondern pragmatisch: Gesunde Trauben sind die Grundlage großer Weine. Heute bewirtschaftet die Familie rund 27 Hektar Rebfläche, ohne Trauben zuzukaufen. Jeder Wein stammt ausschließlich aus eigenem Anbau.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Jahr für Jahr stiegen die Bewertungen renommierter Weinkritiker. 2012 folgte schließlich die Aufnahme in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter, kurz VDP. Für viele Winzer gilt dieser Schritt als Ritterschlag. Für Kranz war er vor allem Bestätigung eines Weges, den die Familie über Jahrzehnte konsequent verfolgt hatte.
Doch das Weingut steht längst nicht still. Seit 2023 arbeitet mit Xaver Kranz die fünfte Generation aktiv im Betrieb. Nach Studium und Lehrjahren bringt er neue Ideen nach Ilbesheim. Vater und Sohn arbeiten heute gemeinsam in Weinberg und Keller. Es ist ein Generationenwechsel ohne Bruch. Die Handschrift bleibt erkennbar, entwickelt sich aber weiter. Die Weine werden noch präziser, noch stärker auf Herkunft fokussiert. Besonders die Burgundersorten stehen zunehmend im Mittelpunkt.
Das Weingut Kranz hat in wenigen Jahrzehnten geschafft, wovon viele Familienbetriebe träumen: den Sprung von einem regionalen Fassweinbetrieb zu einer festen Größe im deutschen Spitzenweinbau. Doch die eigentliche Geschichte handelt nicht von Auszeichnungen oder Mitgliedschaften. Sie handelt von einem Ort, von Kalkstein und Wind, von mehreren Generationen einer Familie und von der Überzeugung, dass große Weine immer dort beginnen, wo Menschen ihrer Herkunft vertrauen.
Und genau deshalb schmecken die Weine von Kranz nicht einfach nach Riesling, Weißburgunder oder Spätburgunder. Sie schmecken vor allem nach Ilbesheim.



Aus vollreifen Williams-Christ-Birnen erzeugter Birnenbrand.
Die Williams-Christ-Birne gilt als die Königin unter den Kernobstsorten, denn ihr frisches, fruchtiges Aroma ist unverwechselbar.
Fein und zart im Geschmack.
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